Parodontitis und Diabetes – hängen diese Erkrankungen zusammen?

Parodontitis und Diabetes – hängen diese Erkrankungen zusammen?

Einige Studien kommen zu dem Schluss, dass sich die beiden chronischen Erkrankungen Parodontitis und Diabetes mellitus gegenseitig beeinflussen. Das Risiko an Diabetes zu erkranken ist mit einer Parodontitis um das 6-fache erhöht. In diesem Artikel erfahren Sie die Zusammenhänge und auch, wie Sie Ihren Körper und Ihr Immunsystem dennoch stärken können.

Parodontitis – ein kurzer Überblick

Eine Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnfleisches. Meist ist es ein schleichender Prozess von der ersten kleinen Schwellung oder Blutung zur chronischen Entzündung, die im Verlauf zu einer Lockerung der Zähne und dem Abbau des Kieferknochens führen kann. Damit es nicht dazu kommt, ist es sinnvoll, auf die richtige Zahnpflege und eine ausgewogene Ernährung zu achten.

Was ist Diabetes mellitus?

Normalerweise sorgt das Hormon Insulin aus der Bauchspeicheldrüse dafür, dass die Glukose (der Zucker) aus dem Blut in die Körperzellen gelangt. Einfacher gesagt: Es bringt Treibstoff in die Zellen. Wenn wir also etwas essen, dann durchläuft die Nahrung verschiedene Abteilungen des Verdauungstraktes und wird in Bestandteile zerlegt. Aus den einfachen Kohlenhydraten wird Glukose gewonnen, die durch die Darmwand in das Blut gelangt. Sobald der Verdauungsprozess beginnt, fängt die Bauspeicheldrüse an, Insulin auszuschütten und so den Transport von Glukose in die Zellen zu ermöglichen.

Aus unterschiedlichen Gründen kann es sein, dass die Bauchspeicheldrüse kein oder zu wenig Insulin produziert. Je nach Form unterscheidet man Diabetes Typ 1 (die Bauchspeicheldrüse produziert kein Insulin mehr) oder Diabetes Typ 2 (die Bauchspeicheldrüse produziert zu wenig Insulin). Der Effekt auf den Körper ist jedoch derselbe: Die Glukose kann nicht mehr oder nur eingeschränkt in die Zellen eingeschleust werden. So steigt der Blutzuckerwert nach jeder Mahlzeit an, was Folgen nach sich zieht. Unbehandelt kann Diabetes Schäden an Nerven, Augen und Organen verursachen.

Welchen Zusammenhang haben Parodontitis und Diabetes mellitus?

Diabetes kann die Mundflora verändern. Diabetiker haben eine höhere Konzentration an Zucker im Blut. Dies kann die Ausbreitung von Bakterien fördern. Sie werden regelrecht mit Zucker gefüttert und vermehren sich deshalb rasant. Das begünstigt Entzündungen und damit auch das Entstehen einer Parodontitis.

Gleichzeitig kann eine bestehende Parodontitis den Langzeit-Blutzuckerwert erhöhen – sogar bei Menschen, die nicht an Diabetes mellitus leiden. Dies kann zur Entstehung eines ausgeprägten Diabetes führen.

Die Parodontitis begünstigt zusätzlich die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In Fachkreisen spricht man von einem Bermudadreieck, da diese drei chronischen Erkrankungen (Parodontitis, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus) komplex zusammenhängen.

Wie wirken Diabetes mellitus und Parodontitis auf das Immunsystem?

Rund 7 % der Menschen in Deutschland leiden an Diabetes. Der hohe Blutzuckerspiegel verlangsamt die Wundheilung und fördert das Wachstum von Bakterien und Pilzen auf der Haut. Gleichzeitig haben Menschen mit Diabetes oft eine schlechtere Durchblutung. Das bedeutet, dass wichtige Immunzellen nur langsam dort ankommen, wo sie für die Bekämpfung einer Entzündung benötigt würden. Die Folge davon ist, dass sich Infekte aller Art schneller ausbreiten.

Entsteht im Körper eine Entzündung, setzt das Immunsystem alles daran, diese Entzündung schnellstmöglich zu heilen. Bei einer Parodontitis verwendet der Körper dazu viele Ressourcen. So viele, dass wenig verbleibt, um andere Krankheitserreger zu enttarnen und zu bekämpfen. Kommt dazu noch eine Behandlung mit Antibiotika, wird das Immunsystem noch weiter abgeschwächt. Das liegt daran, dass wichtige Bakterien der Darmflora mit abgetötet werden. Der Großteil des optimal funktionierenden Immunsystems befindet sich genau dort: In der Darmflora.

Bakterien haben so ein sehr leichtes Spiel, sich in Zahnfleischtaschen und im Kieferknochen auszubreiten.

Hat eine Parodontitis Auswirkungen auf eine Infektion mit Covid-19?

Vor allem zu Beginn der Infektion mit Covid-19 ist die Viruslast im Mund-Rachen-Raum am höchsten. Bei einer unbehandelten Parodontitis ist es für die Krankheitserreger ein leichtes, sich im ohnehin schon entzündeten Bereich auszubreiten. Dadurch gilt eine Parodontitis als Risikofaktor für einen schweren Covid-19-Verlauf. Das Risiko erhöht sich noch mehr, wenn der Patient an Diabetes mellitus erkrankt ist.

Immunsystem ganzheitlich stärken

Da das Immunsystem mit Diabetes und Parodontitis sehr beansprucht ist, gilt es, dieses ganzheitlich zu stärken und Ihren Körper so optimal bei der Heilung der Parodontitis zu unterstützen.

Allen voran ist die richtige, gründliche Zahn- und Mundpflege wichtig. Putzen Sie Ihre Zähne mindestens zweimal täglich mit einer elektrischen Zahnbürste und verwenden Sie Zahnseide und Zahnzwischenraumbürstchen. Dies sorgt dafür, dass sich Bakterien weniger schnell ausbreiten können, da sie regelmäßig entfernt werden. Dazu ist es wichtig, dass Sie morgens Ihre Zunge reinigen. Dort lagern sich Krankheitserreger über Nacht ab. Unterstützend bieten sich Mundspülungen mit entzündungshemmenden Zusätzen sowie Ölziehen an.

Wichtig ist auch, dass die Parodontitis bei Ihrem Zahnarzt gut behandelt wird. In unserer Praxis für biologische Zahnmedizin verwenden wir dazu deine Ozon-Desinfektion, welche Bakterien am Zahn und in den Zahnfleischtaschen abtötet. Nach einer zahnmedizinischen Behandlung der Parodontitis kann der Langzeit-Blutzuckerwert um etwa 0,4 Prozentpunkte gesenkt werden.

Um diese Effekte zu verstärken, sollten Sie Ihren Lebensstil an die Erkrankung anpassen, um damit das Immunsystem ganzheitlich stärken zu können.

Das Immunsystem mit der zahngesunden Ernährung unterstützen

Mit einer gesunden Ernährung können Sie Ihre Zahn- und Mundgesundheit fördern, Ihr Immunsystem stärken und sogar den Blutzuckerspiegel positiv beeinflussen.

Die Grundsätze sind:

  • Essen Sie möglichst unverarbeitete Lebensmittel
  • Reduzieren Sie Zucker auf ein Minimum
  • Achten Sie auf eine nährstoffreiche Ernährung sowie die Zufuhr wichtiger Mineralien und Vitamine
  • Vermeiden Sie Milch und Milchprodukte
  • Verzichten Sie auf Weißmehl und anderes Gebäck

Vor allem die optimale Versorgung mit den Vitaminen D3, K2, C sowie mit Magnesium und Omega-3-Fettsäuren ist für Ihr Immunsystem sowie Ihre Zahn- und Mundgesundheit wichtig.

Mit der Ernährung geben Sie Ihrem Körper, was er braucht, um die Bakterien in Schach zu halten und Ihr Zahnfleisch zu heilen. Da sich vor allem pflanzliche Lebensmittel positiv auf die Darmflora auswirkt, wird Ihr Immunsystem dadurch ganzheitlich unterstützt – und kann sich so auf die Bekämpfung eindringender Krankheitserreger konzentrieren.

Disclaimer:

Alle empfohlenen Maßnahmen in diesem Artikel stellen keine Beratung bei einem Zahnmediziner, Arzt oder Heilpraktiker dar. Die Durchführung der genannten Handlungsmöglichkeiten geschieht auf eigene Verantwortung und sollte mit Ihren behandelnden Ärzten abgesprochen werden.

Quellen:

Ágnes Bán, Zsolt Ferenc Németh, Adrienn Szauter, Szilvia Soós, Márta Balaskó (2018): [Prevalence and severity of chronic parodontitis and oral mucosal lesions in chronic obstructive lung disease]. In: Orv Hetil. 2018 May;159(21):831-836. doi: 10.1556/650.2018.31037.

W J Teeuw (2017): [A PhD completed. Periodontitis, diabetes mellitus, cardiovascular disease: a Bermuda triangle]. In: Ned Tijdschr Tandheelkd. 2017 Oct;124(10):511-513. doi: 10.5177/ntvt.2017.10.17140.

Ljiljana Kesić, Dragan Petrović, Radmila Obradović, Jovanka Gasić, Kosta Todorović (2009): [Diabetes mellitus and periodontal disease]. In: Med Pregl. Nov-Dec 2009;62(11-12):534-8. doi: 10.2298/mpns0912534k.

Vetter, Christine (2011): Parodontitis: Eine Quelle für Systemerkrankungen. In: Dtsch Arztebl 2011; 108(17): A-949 / B-781 / C-781

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