Fluorid - die einzige Kariesprophylaxe?

Fluorid – wirklich die einzige Kariesprophylaxe?

Fluorid – wirklich die einzige Kariesprophylaxe?

In den vergangenen 30 Jahren ging Karies in der Bevölkerung sehr stark zurück. Beispielsweise haben nur noch 20 % der 12-jährigen von Karies befallene Zähne. Zugeschrieben wird das der konsequenten Anwendung von Fluorid. Ein Erwachsener nimmt im Mittel zwischen 0,3 und 0,8 mg Fluorid pro Tag auf. Es ist im Trinkwasser, Lebensmitteln und Speisesalz enthalten. Dazu kommt die Verwendung fluoridhaltiger Zahncreme. Insgesamt gilt das Spurenelement als wichtigster Baustein in der Kariesprophylaxe. In den letzten Jahren stieg jedoch die Kritik darüber, da es toxische Eigenschaften haben soll. In diesem Beitrag möchten wir die Fluoridierung ganzheitlich betrachten.

Was ist Fluorid?

Fluor ist ein hochreaktives Gas. In der Natur bindet es sich schnell an andere Mineralien wie Kalzium, Kalium oder Wasserstoff. So gebunden wird es eine Salzverbindung und als Fluorid bezeichnet. Diese Verbindung ist weniger giftig als das Gas, was jedoch nicht bedeutet, dass es gänzlich ungefährlich ist.

Was soll Fluorid bewirken?

Amerikanische Forscher fanden in den 1920er heraus, dass es einen Unterschied der Zahngesundheit bei Kindern und Jugendlichen gibt. Der Grund dafür war der Gehalt an Fluorid im Trinkwasser. In Gegenden mit einem hohen Gehalt gab es weniger Karies als in Gegenden mit einem niedrigen Gehalt. Sie forschten weiter und konnten diese These bestätigen. Bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs die Vermutung, dass Fluorid positive Auswirkungen auf die Zahn- und Mundgesundheit hat. Wie kommt es dazu?

Fluorid lagert sich in den Zahnschmelz

Die Zähne sind mit Zahnschmelz überzogen – dem härtesten Material im menschlichen Körper. Dennoch ist er nicht unzerstörbar. Er besteht nämlich aus einem feinen Gitter, in dessen Lücken anorganische Materialien wie Magnesium oder Natrium enthalten sind. Wie im Artikel zur zahngesunden Ernährung angesprochen, schädigen Säuren den Zahnschmelz. Sie weichen die Gitter auf und machen den Schmelz damit porös. Dadurch haben es Kariesbakterien sehr einfach, in den Zahn einzudringen, sich dort auszubreiten und den Zahn zu schädigen. Fluorid greift genau dort ein. Er kann diesem Prozess entgegenwirken, indem er hilft, den Zahnschmelz zu remineralisieren – also die Gitter wieder aufzubauen. Beispielsweise beschleunigt und begünstigt er die Einlagerung von Kalziumphosphaten. Zudem setzen sich die Fluoridsalze in den Zahnschmelz ein und remineralisieren den Zahn direkt, wenn er von Säuren angegriffen wird.

Wo ist Fluorid enthalten?

Nahezu jeder kennt Zahncreme mit Fluorid. Doch kaum jemand weiß, dass die Salze auch im Trinkwasser, Speisesalz und weiteren Speisen enthalten ist. Das liegt daran, dass Fluorid ein Spurenelement ist und in der Natur vorkommt. So auch im Trinkwasser. Pro Liter Trinkwasser nehmen Sie bis zu 0,8 mg zu sich. Gekennzeichnet muss es nicht sein, es sei denn, die Konzentration übersteigt 1,5 mg/l. Warnhinweise sind erst ab 5 mg/l nötig. Möchten Sie auf Wasser zurückgreifen, das möglichst wenig von diesem Stoff enthält, greifen Sie zu Wasser mit dem Hinweis „für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet“. Dabei darf die Konzentration von 0,7 mg/l nicht überschritten werden. Gleichzeitig gelten auch für andere Mineralien wie Natrium Höchstgrenzen.

Im Speisesalz sind etwa 250 mg Fluorid pro kg enthalten. Auch in Fisch, Fleisch und anderen Nahrungsmitteln ist das Spurenelement natürlicherweise enthalten. Ein durchschnittlicher Erwachsener kommt allein durch die Nahrung auf bis zu 0,8 mg Fluorid pro Tag.

Was Ihnen kaum jemand über Fluorid verrät

Fluoridsalze sind zwar weniger toxisch als isoliertes Fluor, jedoch bedeutet das nicht, dass sie völlig ungefährlich sind. Aus diesem Grund wird die Kritik immer lauter. Nicht zuletzt, weil es als Rattengift und Pestizid verwendet wird. Bei einem Erwachsenen liegt die letale Dosis bei 32 – 64mg/kg Körpergewicht. Die akute Toxizität ist das eine, die chronische Toxizität das andere.

Fluorose – die einzige Erscheinung bei Überdosierung?

In der Schulmedizin gilt die Zahn- und Knochenfluorose als einzige Erscheinung bei einer zu hohen Fluorid-Einnahme. Die Zahnfluorose zeigt sich durch weißliche Linien, Streifen oder Flecken im Frontzahnbereich. Sie treten überwiegend bei Kindern auf. In Deutschland zeigen sie sich bei ca. 15 % der Kinder und Jugendlichen. Als häufigste Ursache gelten Fluorid-Tabletten. Wissenschaftler fanden heraus, dass Fluorid, das über die Nahrung oder Tabletten zugeführt wird, kaum einen Einfluss auf die Zahngesundheit hat. Lokal angewendetes Fluorid wie beispielsweise in Zahncreme sei für die Kariesprophylaxe entscheidender. Wie Sie auch ohne diese Salze Karies verhindern können, erfahren Sie im übernächsten Abschnitt.

Auch in den Knochen kann es zu einer Fluorose kommen. Dazu sollten Sie wissen, dass sowohl Zähne als auch Knochen mit Fluorose anfälliger für Karies bzw. Knochenbrüche werden. Das zeigt, dass ein Zuviel an diesem Spurenelement das verursacht, wovor es ursprünglich schützen sollte.

Die Zahnfluorose ist leider nicht die einzige Erscheinung bei einer dauerhaften Einnahme von Fluorid. Das Spurenelement kann Symptome verursachen, die einer schmerzhaften Arthritis (Gelenkentzündung) ähneln, sowie Gehirn und Schilddrüse angreifen. Dies geschieht, bevor es zur Schmelz- oder Knochenfluorose kommt. Zudem kann Fluorid die Entstehung von Diabetes begünstigen und Störungen des Glukosestoffwechsels verursachen. Es soll den Blutzuckerspiegel erhöhen, die Insulinresistenz der Zellen fördern und die Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse hemmen. Diese Erscheinungen sollen sich bereits bei Verzehrmengen ab 0,07 mg pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag zeigen. Auch die Niere leidet unter der dauerhaft erhöhten Fluorid-Zufuhr.

Fluorid – schädlich für das Gehirn?

Das wichtigste Thema im Bereich der schädlichen Wirkungen von Fluorid ist das Gehirn. Die Salze können sich im Gehirngewebe ablagern und die Spiegel der Neurotransmitter beeinflussen. Neurotransmitter sind die „Botschafter“, die Informationen im Nervensystem weitergeben. Beispielsweise steigen Adrenalin, Histamin, Serotonin und Glutamat an, während Noradrenalin, Acetylcholin und Dopamin sinken. Zu wenig Dopamin kann beispielsweise zu Standunsicherheiten oder Zittern führen. Ein verringerter Spiegel von Noradrenalin beeinflusst das Gedächtnis, die Konzentration und Motivation negativ. Gleichzeitig begünstigt ein zu hoher Serotonin-Spiegel Herzrasen. Auch Adrenalin kann Herzrasen begünstigen und hält den Körper in Dauerstress. In einer anderen Studie beobachteten Forscher die Abnahme des Intelligenzquotienten bei Kindern, wenn diese stark fluoriertes Trinkwasser trinken.

Kariesprophylaxe ohne Fluorid – so ist es möglich

Fluoridhaltige Zahncreme oder Tabletten tragen nicht allein zur Kariesprophylaxe bei. Es ist schon lange bekannt, dass Fluorid-Tabletten eher chronisch toxisch wirken als zu gesunden Zähnen beizutragen. Wenn, dann hat allein die lokale Anwendung einen positiven Effekt.

Dazu müssen wir sagen, dass keinerlei Symptome auftreten, wenn Fluorid abseits von Nahrung und Trinkwasser nicht eingenommen oder verwendet wird. Weder leidet die Zahngesundheit darunter noch treten andere Mangelsymptome auf. Das lässt schlussfolgern, dass Fluoridsalze nicht essentiell sind.

Worauf es bei der Zahn- und Mundgesundheit wirklich ankommt

Zu gesunden, starken Zähnen gehört vor allem die regelmäßige Zahnpflege. Dazu kommt das Neutralisieren des pH-Werts und die optimale Remineralisierung der Zähne. Den pH-Wert können Sie nach dem Essen senken, indem Sie den Mund mit Wasser ausspülen oder zuckerfreien Kaugummi kauen. Dieser regt die Speichelproduktion an, welcher Säuren neutralisiert und gleichzeitig die Zähne remineralisiert. Je besser Ihre Nährstoffversorgung, desto besser gelingt dies Ihrem Speichel.

Zusätzlich können Sie auf eine Ernährungsweise achten, die möglichst wenig Säuren und Zucker enthält, da diese beiden Stoffe den Zahnschmelz stark angreifen.

Wir verwenden seit Jahren kein Fluorid mehr in unserer Zahnarztpraxis. Gerne beraten wir Sie, wie Sie ohne Fluorid Ihre Zähne stärken und schützen können. Vereinbaren Sie hier Ihren Termin. Wir freuen uns auf Sie.

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Disclaimer:

Alle empfohlenen Maßnahmen in diesem Artikel stellen keine Beratung bei einem Zahnmediziner, Arzt oder Heilpraktiker dar. Die Durchführung der genannten Handlungsmöglichkeiten geschieht auf eigene Verantwortung und sollte mit Ihren behandelnden Ärzten abgesprochen werden.

Quellen:

Apotheker Dr. Klaus G. Brauer (bra), Apotheker Peter Ditzel (diz), Apotheker Dr. Benjamin Wessinger (wes).(2018): Zahngesundheit besser mit Fluorid. In: Deutsche Apothekerzeitung Ausgabe Nr. 15 2018

Y P Reddy, S K Tiwari, A P Shaik, A Alsaeed, A Sultana, P K Reddy (2013): Effect of Sodium Fluoride on Neuroimmunological Parameters, Oxidative Stress and Antioxidative Defenses. In: Toxicol Mech Methods. 2014 Jan;24(1):31-6. doi: 10.3109/15376516.2013.843224. Epub 2013 Oct 16

Li Yang, Peiyu Jin, Xiaoyan Wang, Qing Zhou, Xiaoli Lin, Shuhua Xi. (2018): Fluoride Activates Microglia, Secretes Inflammatory Factors and Influences Synaptic Neuron Plasticity in the Hippocampus of Rats. In: Neurotoxicology. 2018 Dec;69:108-120. doi: 10.1016/j.neuro.2018.09.006. Epub 2018 Sep 28.

Jenny Abanto Alvarez, Karla Mayra P C Rezende, Susana María Salazar Marocho, Fabiana B T Alves, Paula Celiberti, Ana Lidia Ciamponi. (2009): Dental Fluorosis: Exposure, Prevention and Management. In: Med Oral Patol Oral Cir Bucal. 2009 Feb 1;14(2):E103-7.

K A Krishnamachari (1986): Skeletal Fluorosis in Humans: A Review of Recent Progress in the Understanding of the Disease. In: Prog Food Nutr Sci. 1986;10(3-4):279-314.
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